Ausgliederung – Infos

Veröffentlicht am: 22.08.17

In weniger als zwei Wochen findet die außerordentliche Mitgliederversammlung des KFC bezüglich der geplanten Vereinsausgliederung statt. In der aktuellen Ausgabe des Beipackzettels haben wir uns näher mit diesem Thema beschäftigt. Die entsprechenden Seiten können hier als PDF-Datei heruntergeladen oder direkt unten gelesen werden.

Pro & Contra Ausgliederung

Wer sportlich mithalten möchte, so das einhellige Credo, muss sich für Investoren öffnen. Ein „normaler“ Verein passt überhaupt nicht mehr ins Bild. Rein wirtschaftlich handelt es sich bei den meisten Fußballklubs um mittelgroße Unternehmen. Der Hauptgrund für die Ausgliederung sei Zugang zu frischem Kapital – zum Beispiel um Spieler zu kaufen oder Altlasten zu tilgen.

Beim HSV etwa stockte der langjährige Investor Klaus-Michael Kühne sein bisheriges Engagement von acht Millionen Euro auf 25 Millionen Euro auf. Die Allianz stieg beim FC Bayern München im Februar gar mit 110 Millionen Euro. Zuvor hatten Audi und Adidas ähnliche Summen in den FC Bayern gepumpt. Von so viel Geld kann unser KFC Uerdingen natürlich nur träumen.

Experten schätzen den Fußball auch deswegen als „hochriskante Geldanlage“ ein, die sich kaum auszahlt. Aktionäre des BVB erhielten im Geschäftsjahr 2013 gerade einmal zehn Cent Dividende pro Wertpapier. Die Renditechancen sind im Fußball eher schlecht. Nur wenige Vereine sind hier einigermaßen kalkulierbar, etwa der FC Bayern. Daher wären Gründe für ein Investoren-Engagement eher, das Image zu verbessern oder eine bessere Werbewirkung zu erzielen. Auch hier sind die Möglichkeiten des KFC Uerdingen sehr eingeschränkt. Die Regionalliga und 3. Bundesliga sind nicht ansatzweise so werbewirksam, wie das Oberhaus des deutschen Fußballs. Auf Grund der letzten Jahre besitzt unser Club auch nicht das allerbeste Image, womit sich andere Firmen, Gönner oder Investoren schmücken könnten.

Die Vorteile einer Ausgliederung liegen in erster Linie bei den Vereinen. Sie bekommen einen größeren finanziellen Spielraum, die Kapitalgesellschaften übernehmen zugleich die Risiken. Muss eine Profimannschaft Insolvenz anmelden, leidet in der Regel nicht der ganze Verein darunter. Als etwa die Profiabteilung des ehemaligen Bundesligisten Alemannia Aachen 2012 Insolvenz anmelden musste, konnte der Betrieb in den Vereinsabteilungen Leichtathletik , Handball, Tischtennis und Volleyball weitergehen. Im Fall KFC Uerdingen 05 wäre bei einer Pleite der GmbH oder OHG zumindest unsere Jugend (ab der B-Jugend) unberührt. Eine Zweite Mannschaft ist wie bekannt aktuell nicht existent und könnte daher auch nicht als „Rettungsanker“ im Seniorenbereich dienen.

Skeptische Mitglieder und Fans beklagen vor allem einen Verlust von Mitspracherechten und Tradition. Dabei verändert sich für die Mitglieder kaum Wesentliches. An den wirklich wichtigen Entscheidungen wie dem Kauf von Spielern – also Dingen, die tatsächlich über den Erfolg bestimmen – haben sie auch heute schon kaum Mitspracherecht. Häufig können Mitglieder die Informationen, die sie auf einer Versammlung erhalten, nicht richtig bewerten. Grund dafür ist z.B. das fehlende Fachwissen oder die fehlende Nähe zum internen Tagesgeschäft. Somit ist die Entscheidung für das Vereinswohl bei Wahlen und Abstimmungen schon jetzt schwierig.

 

Geld schießt Tore

aber manchmal geht der Ball auch Richtung Eckfahne

Viktoria Köln

Auch unser zukünftiger Ligakonkurrent versucht seit Jahren mit Hilfe eines Investors den Aufstieg in die 3.Bundesliga zu packen. Der „Gönner“ Wernze hat seit 2011 mehrere Millionen in die Kölner Viktoria gepumpt – leider bisher immer erfolglos, da man in der Liga immer wieder einem anderen Team den Vortritt lassen musste.
Zuletzt wurde man zwar Meister in der Regionalliga West und erreichte zumindest die Qualifikationsrunde zur 3.Liga – scheiterte dort aber knapp an Carl-Zeiss Jena.

Sportfreunde Siegen

Am 30.05.2012 wurde auf einer Mitgliederversammlung mehrheitlich beschlossen, die erste Herren-Mannschaft in eine „Spielbetriebs GmbH“ auszugliedern. Dies wurde auf „Wunsch“ des damaligen Mäzens Manfred Utsch veranlasst, der dies als Voraussetzung angab, um weitere Geldspritzen in den Verein zu pumpen. Die Jugend- und Frauenabteilung war hiervon nicht betroffen und weiterhin im e.V. eingegliedert. Auch hielt der e.V. 51% der Anteile an dieser GmbH, doch war es natürlich ein offenes Geheimnis, dass ohne Manfred Utsch nun gar nichts mehr laufen würde.

Zum Ende der Abstiegssaison 2014/2015 wurde diese GmbH aufgelöst, da auch der Gönner aus Altersgründen sein Engagement extrem zurück gefahren hatte. Inzwischen stellte sich jedoch heraus, dass die Spielbetriebsgesellschaft nur „ruhend“ gestellt wurde. Nichts desto trotz tritt seit Sommer 2015 jede Sportfreunde-Mannschaft wieder unter der Hoheit des 1899 gegründeten e.V. an. Die Sportfreunde sind letzte Saison ohne große Chancen aus der Regionalliga West abgestiegen und mussten in der Sommerpause einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht stellen. Lange Zeit war dabei nicht klar, ob der Verein in dieser Saison in der Oberliga Westfalen starten kann, oder ein kompletter Neuanfang in der Kreisliga von Nöten ist. Der Supergau konnte gerade noch verhindert werden.

RW Ahlen

Im Sommer 1996 entstand nach einer Fusion zweier Ahlener Mannschaften der Club LR Ahlen. Offiziell stand LR für „Leichtathletik Rasensport“. Doch das Kürzel wurde meist mit „LR International“ – der Firma des Investors Spikker – in Verbindung gebracht. Ebenso wurde auch das Logo der Fußballer an das des Investors angepasst. Als sich nach einigen Jahren allerdings der stetige Aufstieg des Clubs einstellte und am Ende der Saison 2005/2006 sogar der Abstieg aus der 2. Bundesliga anstand, trennten sich die Wege und aus LR Ahlen wurde RW Ahlen. Nur wenige Monate später geriet der Verein in finanzielle Notlage und verschwand langsam in den Niederungen der Amateurligen. Nach dem aktuellen Abstieg aus der Regionalliga West, startet RW Ahlen in der kommenden Saison in der 5.Liga (Oberliga Westfalen)

TSV 1860 München

1860 München – das wohl negativste Extrembeispiel dafür, was im Fall einer Ausgliederung mit einem Club passieren kann. Im letzten Jahr kaufte der jordanische Geschäftsmann Hasan Ismaik 60% der Aktion der 1860 München KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Dazu gehören ihm ca. 90% der für den Münchner Club zuständigen Vermarktungsfirma. Den 6-köpfigen Aufsichtsrat besetzte Ismaik mit zwei im nachstehenden Personen. Dazu besitzt er als Vorsitzender ein doppeltes Stimmrecht.

Kurzum können so jegliche Entscheidungen von ihm und seinen nahestehenden Mitgliedern im Aufsichtsrat problemlos beschlossen oder verhindert werden. Aufkommende Kritik wird mit der Androhung von Rücktritt beantwortet. Da 1860 aber mittlerweile von Ismaiks Geld abhängig ist, kann er beliebig über den Verein bestimmen.

Neben immer wiederkehrenden öffentlichen Auftritten des Investors (u.a. wollte er die Clubführung des FC. St. Pauli nach einen Gegentreffer von der Tribüne werfen lassen, da für den Geschmack von Herrn Ismaik zu laut gejubelt wurde), bleibt auch der sportliche Erfolg seit Jahren aus.

Statt europäisch spielte man die letzten Jahre ausschließlich gegen den Abstieg aus der 2 Bundesliga. In diesem Sommer reichte es nicht mehr und der Club stieg am Ende der Saison ab. Da Ismaiks Forderungen nicht erfüllt wurden (u.a. Aufhebung der 50+1 Regelung), verweigerte er dem Club die wichtige Bürgschaft beim Verband und ließ den Club in die Regionalliga Bayern absteigen. Im Juni 2017 kündigte Hasan Ismaik eine Klage gegen die 50+1-Regel an. Von Vereinsliebe kann man hier nicht mal ansatzweise sprechen.

 

Interview mit der Südkurve Jena

Wie und wann habt ihr von einer möglichen Ausgliederung erfahren? In welcher Situation war euer Verein zum damaligen Zeitpunkt?

Die geplante Ausgliederung der Profifußballabteilung (sprich erste und zweite Mannschaft, A- und B-Junioren) wurde wenige Monate vor der Mitgliederversammlung im September 2007 bekannt.

Kommuniziert wurde dies seitens der Vereinsführung lediglich über die Medien, da wir damals ein relativ oberflächliches und sporadisches Verhältnis zu den Vereinsoffiziellen hatten. Auf der einen Seite wurden wir wahrscheinlich noch nicht richtig ernst genommen, auf der anderen Seite war das Gebaren der Verantwortlichen einfach intransparent. Es gab zwar noch eine Informationsveranstaltung, auf dieser wurde aber nicht mit offenen Karten gespielt.

Das wirkliche Ansinnen der Ausgliederung war, einen russischen Investor ins Boot zu holen, doch wurde dies so nicht kommuniziert, sondern vereinsrechtliche Gründe vorgeschoben. Die „Alpha Invest Group Corporation“ des, teilweise polizeilich gesuchten, Oligarchen Michail Guzerijew bot bis zu 25 Millionen Euro für 49 % der Vereinsanteile. Schlussendlich wurde der sich anbahnende Kontrakt von der DFL abgelehnt.

Zur damaligen Zeit befand sich unser Verein in der Zweiten Liga, in der Vorsaison wurde furios der Klassenerhalt geschafft, die Ambitionen waren groß. Katapult-artig ging es binnen drei Jahren von der vierten Liga ins DFB-Pokal-Halbfinale, scheinbar konnte die Entwicklung und Nachhaltigkeit im Verein mit der sportlichen Entwicklung nicht Schritt halten.

Hat die Ausgliederung unmittelbare Auswirkungen auf den sportlichen Erfolg mit sich gebracht? Welche Auswirkungen hatte die Ausgliederung auf das Vereinsleben oder die Mitgliederrechte?

Den folgenden sportlichen Absturz auf die Ausgliederung zurückzuführen ist spekulativ. Jedenfalls war jede Menge Unruhe im Verein, da der Investoreneinstieg dann ja nicht zustande kam. Nach dem Abstieg in Liga drei im Frühjahr 2008, butterte die sportliche Leitung die Erlöse der Pokalsaison in einen überbezahlten Kader mit der Ambition des direkten Wiederaufstieges. Doch das Ganze ging nach hinten los, erst am letzten Spieltag konnte der Klassenerhalt dann geschafft werden. Das war natürlich für die langfristige Gesundung des Vereins der absolute Genickbruch und führte nach mehreren Jahren in Liga 3 dann noch eine weitere Etage nach unten, wo wir jetzt im fünften Jahr in Folge spielen.

Wie viele Vorgänge im Verein unter dem damaligen Präsidenten Rainer Zipfel, war das gesamte Gebaren der Vereinsführung einfach nicht transparent. Die wirklichen Gründe für die Ausgliederung der GmbH wurden verwischt oder negiert, mit dem Investor habe das ja gar nichts zu tun. Das war natürlich schon damals ein Schlag in die Magengrube, doch hatte man die Reichweite noch nicht wirklich auf dem Bildschirm. Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass nach der damaligen Posse der Verein und die Mitglieder geimpft und vorsichtig an eine ähnliche Situation gehen, doch die Vorgänge um den Verein zum Investoreneinstieg 2013 haben uns leider mal wieder eines Besseren belehrt.

Ihr habt versucht, euch als Südkurve Jena gegen den Einstieg des Investors zu stemmen. Aus welchen Gründen? Welche Punkte wurden besonders kontrovers diskutiert?

Die Gründe liegen natürlich auf der Hand. Kein echter Fan kann doch Bock haben, dass sein Verein fremdgesteuert ist und nicht mehr mit dem Knowledge der Region überleben kann. Zudem wären wir im Netzwerk von Investor Roland Duchâtelet (damals Standard Lüttich, Újpest FC, Charlton Athletic, AD Alcorcon) nur das kleinste Rädchen gewesen. Er bot dem Verein ein Darlehen (also besseren Kredit) an, welchen er nach zehn Jahren zurückzahlen muss. Und davor haben viele die Augen verschlossen: „Was interessiert uns, was in zehn Jahren ist, die Vereinsführung verspricht uns Zweitligafußball.“ – so konnte man nicht wenige Meinungen zusammenfassen.

Das Präsidium argumentierte dann dementsprechend an allen Nachteilen, Ungereimtheiten und negativen Beispielen wie Standard Lüttich vorbei und schmierte den Mitgliedern mit halbgaren Versprechungen und Lügen Honig ums Maul, um das Gesicht nicht zu verlieren und das Abstimmungsergebnis steuern zu können. Dementsprechend wurden wir als Kritiker – dann auch als Nestbeschmutzer wahrgenommen.

Welche Möglichkeiten hat euch euer Verein gegeben, um den Einstieg des belgischen Investors zu diskutieren bzw. einzuschränken?

Nüchtern betrachtet gar keine. Dem Verein war von vornherein klar, dass das eine Kampfabstimmung werden würde und wir mit Sicherheit nicht dafür stimmen werden. Also wurde lieber die Klinken bei der Presse geputzt und dort die Halbwahrheiten vom Ende des Profifußballs in Jena ohne Investor unter die Leute gebracht. Das hat natürlich aus deren Sicht wunderbar funktioniert.

Wie habt ihr in der Fanszene die Initiative ergriffen, um eurer Stimme Gewicht zu verleihen?

Darüber haben wir lange diskutiert. Letztendlich haben wir uns darauf geeinigt, nicht den Weg über die Presse und Öffentlichkeit zu gehen und es auf die Mitgliederversammlung ankommen zu lassen, natürlich nicht ohne uns selbst vorher im Südkurve-Kreis zu verständigen. Wir hatten Sorge, dass wir bei einer Diskussion in den Medien – wir als junge unerfahrene Fußballfans – gegen die alten Hasen aus Wirtschaft und Politik den Kürzeren ziehen. Natürlich war diese Sorge nicht abwegig, letztendlich haben wir uns – aus jetziger Sicht – genau für die falsche Variante entschieden, da der Investor wohl einen Rückzieher gemacht hätte, wenn wir plakativ gegen den Einstieg protestiert hätten. Leider kam das erst im Nachhinein an uns heran.

Nun versuchten wir also, unserer Stimme bei der Mitgliederversammlung im Dezember 2013 Ausdruck zu verleihen. Wir spekulierten einfach darauf, dass sich viele Mitglieder noch nicht entschieden hatten und wir mit einem Redebeitrag wenigstens überhaupt mal ein paar Contra-Argumente auf die Agenda bringen. Doch zu unserer Überraschung hatten sich viele Mitglieder scheinbar bereits pro-Investor festgelegt und torpedierten unseren Redebeitrag mit Zwischenrufen und Gepöbel, was dann in kurzen Handgreiflichkeiten und Rennereien endete. Daraufhin beschnitt uns die Vereinsführung unberechtigterweise die Redezeit, sodass der Beitrag ein völliges Desaster war. Eigentlich unvorstellbar, kann man es sich fast vorstellen wie die Behandlung der Opposition in scheindemokratischen Diktaturen. Es war eine reine Werbeveranstaltung und Gegenrede wurde nicht geduldet. So wurde der Antrag auf Verkauf von 49,98 % der stimmberechtigten Anteile der Spielbetriebs GmbH an die Firma ‚Staprix NV‘ mit 81,2 % der Mitgliederstimmen angenommen.

Aufgrund der falsch gewählten Taktik, konnten wir natürlich danach erst anfangen, gegen den Investor und seine Politik mobil zu machen.

Wie ist der IST-Zustand bei euch?

Man darf bei aller Abwägung eines nicht vergessen: Wir erhalten aktuell jährlich eine mittlere sechsstellige Summe an Darlehensgeldern vom Investor zur Sicherung der Wirtschaftlichkeit und Liquidität bzw. Lizenzsicherung. Daraus ergeben sich Baustellen, deren Dimension wir noch gar nicht abschätzen können – mit Wahrscheinlichkeit stehen wir 2023 vor einem Scherbenhaufen, weil sich der allergrößte Teil der Mitglieder von den Lügen und Unwahrheiten des damaligen Präsidenten hat blenden lassen. Zweitligafußball und Erfolg fallen nicht mit ein paar Kröten vom Himmel – sie sind Ergebnis langfristiger und vor allem nachhaltiger Arbeit.

Bisher hat sich der Investor im operativen Geschäft doch mehr zurückgehalten als wir anfangs gedacht hatten. Natürlich fordert er mehr Mitspracherecht und mehr Netzwerkarbeit, jedoch gelang es dem Verein oft genug, seine Forderungen klein zu halten und sich selbst auf ein solideres Fundament zu stellen.

Unsere Aufgabe ist dabei, dem Verein bewusst zu machen, welche Stärke und Möglichkeit er doch selbst hat, finanziell unabhängig zu sein. In der Vergangenheit wurden Marketing- und Merchandisingrechte sowie das Catering und der Fanshop von externen Unterstützern betrieben, die allerdings auch selbst daran verdienen wollten, eben nicht zum Wohle des Vereines. Die alten Kader in der Vereinsführung setzten auf schnelles und verfügbares Geld statt auf ein gesundes und nachhaltiges Konzept. Diesen alten Kadern ihre Argumente und somit ihre Daseinsberechtigung zu entziehen, muss unsere Mission sein; Mitglieder zu gewinnen, um mehr Geld für den e.V. zu generieren; Die Fanartikel so zu gestalten, dass man diese auch tragen kann und der Verein davon tatsächlich profitiert; Den Verein in eine ruhige und nicht übernervöse sportliche Erwartungshaltung zu bringen – das alles sind einige von vielen Punkten, die der Fanszene Aufgabe waren und noch sein werden.
Nach immer wieder aufflammendem Ärger über die Kompetenzen und Einmischung des Investors, inklusive Ausschlachtung in der regionalen Presse, werden wir nachträglich von vielen Seiten als diejenigen angesehen, die zur damaligen Mitgliederversammlung 2013 Recht behalten sollten. Kaufen können wir uns davon nichts, Genugtuung ist es aber allemal.

Natürlich mussten wir uns irgendwie mit dem Investor arrangieren, ohne mit ihm selbst zu kommunizieren. Doch dieser merkte schnell, dass es nur funktionieren kann, wenn man transparent miteinander umgeht, von daher ist es diesbezüglich eine klare Verbesserung zu vorigen und anderen Vereinsgremien, die immer wieder – um Macht und Einfluss zu erhöhen – Grabenkämpfe auf dem Rücken des Vereines austragen, für den sie ja angeblich nur das Beste wollen. Doch diese Fassade wollen wir für unseren Club nicht mehr. Es muss jetzt anders gehen.

Vor wenigen Wochen konntet ihr den Aufstieg in die 3. Liga feiern. Wie ordnet ihr den Erfolg insgesamt ein? Ähnlich wie in Krefeld kam nach glorreichen Zeiten irgendwann der Absturz in die Bedeutungslosigkeit und der gesamte Verein sehnte sich wahrscheinlich auch nach besseren Zeiten. Wäre Eurer Meinung nach auch der Aufstieg ohne Investor möglich gewesen?

Seitdem der Investor 2013 bei uns eingestiegen ist, flossen – wie bereits erwähnt – jede Saison Geldbeträge im sechsstelligen Bereich an Carl Zeiss Jena bzw. an die Spielbetriebs GmbH. Jedoch nicht als Sponsoring oder Schenkung, sondern als Darlehen, welches 2023 fällig wird und an den Investor zurückgezahlt werden muss. Seit Jahren schreibt unser Club dunkelrote Zahlen, welche durch das Darlehen ausgeglichen werden. Daher ist die Gesamtsumme heute bereits im siebenstelligen Bereich angekommen – eine Summe, die unser Club niemals auch nur ansatzweise zurückzahlen können wird.

Was dann passiert ist völlig offen und ungewiss. Im schlimmsten Fall würde die GmbH wegen mangelnder Liquidität Insolvenz anmelden, was zur Folge hätte, dass unsere U19 und U17 sowie die erste und zweite Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet werden würden. Was das bedeuten würde, sollte jedem klar sein. Daher müssten wir spätestens mit dem jetzigen Aufstieg beginnen, schuldenfrei zu wirtschaften, um ab der nächsten Saison mit der Schuldentilgung zu beginnen. Dies mahnen wir heute mehr denn je an, da dieses Problem weder im Verein noch in der Öffentlichkeit ansatzweise eine Rolle spielt. Die Entscheidungsträger meiden dieses Thema, um keine Unruhe aufkommen zu lassen.

Damit 2023 nicht der Supergau eintritt, fordern wir ein, Ein- und Ausgaben ganz klar im Auge zu behalten und nicht sinnlos in eine neue Mannschaft zu investieren, damit der Schuldenberg nicht noch größer wird. Ein weiteres Problem ist die sogenannte „Nach mir die Sintflut“-Politik. In der Regel beträgt die Amtszeit bei den Entscheidungsträgern in einem Club 3-5 Jahre. In Ausnahmefällen auch mal etwas mehr. Es ist aber immer häufiger zu beobachten, dass innerhalb ihrer Amtszeit versucht wird, das Ergebnis so positiv wie möglich zu gestalten und sich mit Aufstiegen, Pokalerfolgen oder einem Stadionneubau Denkmäler in der Vereinschronik zu errichten.
In unserem Fall würde das bedeuten, dass die Entscheider, die 2013 den Vertrag abgeschlossen haben, im Jahre 2023 schon lange kein Amt mehr bekleiden und ggf. schon lange woanders beschäftigt sind. Der oder die Nachfolger (falls überhaupt welche unter diesen Bedingungen gefunden werden) müssten dann diese Suppe ersteinmal auslöffeln.

Auch davor verschließt der Großteil in Jena die Augen. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass der Aufstieg ohne die Unterstützung durch den Investor höchst unwahrscheinlich gewesen wäre und wir im Normalfall irgendwo im Mittelmaß der Regionalliga pendeln würden.

Vielen Dank für das Interview und den Einblick in euren Verein.

 

Ausgliederung & Investorenmodell – unsere letzte Chance?

Gastbeitrag von Ismael, Supporters Kempen

Beschäftigt man sich mit der Frage, ob und wie der professionelle Spielbetrieb unseres Vereins in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert werden soll, lohnt es sich, zunächst einen Blick auf die gegenwärtige Situation des Fußballs in Deutschland im Allgemeinen werfen. Wie sehen eigentlich die Rahmenbedingungen für einen Verein wie den KFC Uerdingen 05 aus?

Die Entwicklung der Fußballlandschaft war in den letzten Jahren von erheblichen Gegensätzen geprägt. Auf der einen Seite wachsen Transfererlöse und TV-Gelder in die Höhe, werden Jahr für Jahr neue Rekordgewinne vermeldet. Auf der anderen Seite endet die Saison in mancher Liga ohne sportlichen Absteiger, da die vorgesehenen Plätze bereits von Klubs besetzt wurden, die aus finanziellen Gründen die Segel streichen mussten. Dabei ist die Verteilung solcher Meldungen ziemlich eindeutig. In Liga 1 und 2 wird seit Jahren gutes Geld verdient. Transferspirale und üppige Fernsehverträge sorgen auch bei kleinen Klubs im Oberhaus für ein ordentliches Auskommen, während die ganz Großen zu Global Playern aufgestiegen sind. Blickt man dagegen ein paar Etagen tiefer, bietet sich ein ganz anderes Bild. Dank der um Welten besseren Einnahmesituation und absurd unsportlicher Aufstiegsregelungen hat es der Profifußball geschafft, sich bestmöglich gegenüber den ambitionierten Amateurligen abzuschotten. So ist insbesondere zwischen gestrauchelten Traditionsvereinen seit langem ein ruinöser Wettkampf um die Rückkehr in den Profifußball – oder wenigstens um den Erhalt des Halbprofitums – entbrannt. Mit drei Insolvenzen können auch wir ein Lied davon singen.

Diese Zustandsbeschreibung ist jedoch kein Grund, resigniert den Kopf in den Sand zu stecken oder vergangene Zeiten, als das Geld noch keine so große Rolle spielte, romantisch zu verklären. Die Wahrheit ist nämlich, diese Zeiten hat es so nie gegeben. Profifußball ist und war immer schon ein wirtschaftliches Geschäft. Es ging immer darum Geld zu verdienen, um den Grundstein für kommende Erfolge zu legen. Erfolge in Form von Aufstiegen, Trophäen und noch mehr Geld. Wenn unser Ziel also sein soll, mittelfristig wieder oberhalb der Regionalliga Fuß zu fassen und in Gefilde zu kommen, in denen sich der Spielbetrieb finanziell tatsächlich von alleine trägt, müssen wir andere Wege gehen als die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.

Was spricht also ganz grundsätzlich dafür, unseren Spielbetrieb einer Kapitalgesellschaft zu übertragen?

Zunächst einmal ist die Rechtsform des eingetragenen Vereins (e.V.) für wirtschaftliche Betätigung mit dem Ziel, auch Gewinne zu erzielen, gar nicht vorgesehen. Zumindest dann nicht, wenn man die steuerlichen Vorteile der anerkannten Gemeinnützigkeit genießen will. Die Ausgliederung des professionell betriebenen Fußballs hätte zur Folge, dass der satzungsgemäße Zweck des e.V., „die Förderung des Fußballsports und der damit verbundenen körperlichen Ertüchtigung“, nicht mehr mit einem Augenzwinkern gesehen werden muss. Die Wiedererlangung der Gemeinnützigkeit mit allen positiven Folgen wäre praktisch reine Formsache.

Im Zusammenhang mit der Ausgliederung des professionellen Spielbetriebs in Kapitalgesellschaften fällt immer wieder der Begriff der sogenannten „50+1-Regel“. Nach geltenden Statuten von DFB und DFL dürfen – außer in besonderen Fällen – private Anteilseigner der Kapitalgesellschaft nicht mehr Stimmgewicht in der Gesellschafterversammlung haben als der zugehörige e.V. Ganz gleich, wie die Eigentumsverhältnisse aussehen. Prinzipiell denkbar wäre es natürlich auch, dass der e.V. alleiniger Eigentümer z.B. der zu gründenden GmbH bliebe. Die oben beschriebenen Vorteile einer Ausgliederung wären die gleichen. Warum sich also für Investoren – sprich Miteigentümer – öffnen?

Wer sich bisher finanziell beim KFC engagieren will, tut dies als Sponsor. Sponsoring ist immer auf die vertragliche Laufzeit begrenzt. Wer also die Lust am KFC verliert, kann mehr oder weniger von heute auf morgen wieder weg sein. Natürlich gibt es auch Sponsoren, die unserem Verein seit langer Zeit die Treue halten. Dieser Kreis ist allerdings eher überschaubar und die Summen, die bei diesem idealistischen Engagement zusammenkommen, reichen bei aller Wertschätzung kaum dafür aus, einen Oberliga-Spielbetrieb zu stemmen. Eine weitergehende Verantwortung oder sogar Haftung für den Klub entsteht aus einem Sponsoring-Vertrag nicht. Auf dem Papier sind dadurch ebenso wenig Mitspracherechte im Verein verbunden. Die Realität ist natürlich eine andere. In den meisten Vereinen reden wichtige Geldgeber mit. Entweder, indem man sich in Gremien wählen lässt. Oder aber man verschafft sich bei der Vereinsführung gänzlich ohne demokratische Legitimation, allein durch die sprichwörtliche Macht des Geldes Gehör.

Grundsätzlich ist Sponsoring dazu angelegt, durch das finanzielle Engagement in der Öffentlichkeit einen Imagegewinn zu erzielen oder aber den Werbewert des Vereins für sich bzw. das Unternehmen zu nutzen. Über den Werbewert eines Vereins, der in überregionalen Massenmedien praktisch nur dann stattfindet, wenn das 7:3 Jubiläum feiert oder unser Maskottchen wieder mal allzu emotional bei der Sache war, brauchen wir uns wohl keine Illusionen zu machen. Und auch hier schlägt die eingangs beschriebene Kluft zwischen oben und unten voll zu. Auch im Bereich des Sponsoring frisst die Bundesliga alles auf. Mittelständische Unternehmen aus der Region mieten lieber eine Loge oder sonstiges Business-Paket eines Bundesligisten als für den gleichen Betrag gefeierter Hauptsponsor eines Viert- oder Fünftligisten zu werden. Dies hat zur Konsequenz, dass der Kreis der finanziellen Unterstützer zu gering ist, um den Verein einerseits mit den benötigten Mitteln auszustatten und andererseits die Lasten auf ausreichend viele Schultern zu verteilen, um die Abhängigkeit von Einzelnen zu minimieren.

Ist die finanzielle Situation dann mal wieder besonders angespannt, wendet sich die Vereinsführung an seine wenigen Gönner. Die Geldlöcher werden dann jedoch oft genug nicht durch zusätzliche Sponsoring-Verträge geschlossen, sondern in Form vom Darlehen. Aus Sponsoren werden Gläubiger und der Schuldenstand wächst. Das alles sind keine Argumente gegen das Engagement von Sponsoren. Sie verdeutlichen nur, dass in unserer Situation die Aussichten, allein mit Hilfe von Sponsoren den Weg zurück in den Profifußball zu finden, eher schlecht sind.

Investoren, die sich an der ausgegliederten Gesellschaft beteiligen, sind eben etwas gänzlich anderes als Sponsoren. Sie sind Miteigentümer, deren Beteiligung keine Vertragslaufzeit hat. Gleichzeitig – und das muss allen klar sein – erwarten Eigenkapitalgeber von ihrem Engagement keinen Imagegewinn oder Werbewert sondern schlicht einen finanziellen Gewinn. Diesen können sie auf zweierlei Weise erzielen. Zum einen besteht die Möglichkeit, die eigenen Anteile ganz oder teilweise an andere Interessenten gewinnbringend zu verkaufen. Zum anderen besteht natürlich die Möglichkeit eine Dividende zu erzielen, in dem Gewinne, die die Gesellschaft erwirtschaftet hat an die Anteilseigner ausgeschüttet werden.

Über die Frage, ob und in welcher Höhe Gewinne ausgezahlt werden oder in der Gesellschaft für mögliche Investitionen verbleiben, entscheidet die Gesellschafterversammlung. In dieser hätte der e.V. die Stimmenmehrheit und somit das letzte Wort. Für die Frage, ob sich die Investition in unseren Klub lohnt ist eines ziemlich sicher. Wer als Miteigentümer bei einem Regionalligisten einsteigt, weiß dass er einen langen Atem haben muss, bis er auf die eine oder andere Weise Profit aus der Investition erzielen kann. Insofern muss jeder, der jetzt einsteigt ein natürliches Eigeninteresse am langfristigen Erfolg des Vereins haben. Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass wir es mit Hilfe von Investoren zurück in den Profifußball schaffen. Die Chance erscheint jedoch höher als darauf zu warten, dass sich möglichst viele potente Gönner finden, die unserem Verein praktisch ohne verwertbare Gegenleistung Geld zur Verfügung stellen. Dies ist in den letzten zwanzig Jahren nicht passiert und die Aussichten auf Besserung sind aufgrund der zu Beginn beschriebenen Entwicklung eher trüber geworden.

Soviel zur Theorie. Praktisch wissen wir alle, dass wir im Moment nicht von Investoren, sondern viel mehr von einem einzigen Investor sprechen. Der sorgenvolle Einwand, wir würden uns wieder einmal von einer einzigen Person abhängig machen, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber mal ehrlich? Können wir es uns aussuchen? Seit der Trennung von Bayer waren wir fast durchgehend von jeweils einem einzigen Geldgeber abhängig. Nie ist es den jeweiligen Vereinsführungen gelungen, ein breites Fundament an Sponsoren mit drei oder vier größeren Zahlern herzustellen, das solche Abhängigkeiten beenden würde. Der Unterschied zu vorherigen One-Man-Shows ist, dass der angestoßene strukturelle Umbau des Vereins einen klaren Plan verfolgt. Nämlich den Klub mit einem Kraftakt dorthin zu hieven, wo mit Fußball Geld verdient wird. Dort, wo sich der Spielbetrieb dank TV-Einnahmen und tatsächlich vorhandenem Werbewert selbst finanziert, schwindet auch die Abhängigkeit von Einzelnen.

Bleibt noch die Frage nach den Mitspracherechten von Mitgliedern und Fans. Solange der e.V. die Stimmenmehrheit in der Gesellschafterversammlung der GmbH besitzt, sind auch die Vereinsmitglieder nicht außen vor. Natürlich können die Mitglieder nur indirekt Einfluss auf die Geschicke der Profi-Gesellschaft nehmen. Aber wenn wir uns die gegenwärtige Satzung unseres Vereins anschauen, stellt man leicht fest, dass auch hier die Mitgliederversammlung – besonders in Bezug auf den Vorstand – nur indirekte Entscheidungsgewalt hat. In vielen Fällen hat sich Land auf, Land ab zudem gezeigt, dass der sogenannte Druck der Kurve mindestens ebenso wirkungsvoll ist, wie das satzungsgemäße Verfahren per Antrag und Beschluss der Mitgliederversammlung.
Die Ausgliederung des professionellen Spielbetriebs und der Einstieg von Investoren allein sind sicherlich keine Garantie auf eine rosige Zukunft. Sie sind aber realistisch betrachtet unsere derzeit größte Chance auf eine Rückkehr in den bezahlten Fußball, auf die wir seit fast zwei Dekaden warten. Die Alternative zu diesen Plänen ist nirgendwo in Sicht. Ankündigungen, den Verein auf ein breites Fundament regionaler Sponsoren stellen zu wollen haben sich seit Jahren als Luftnummern herausgestellt. Darauf zu warten bedeutet, sich mit einem Herumdümpeln bestenfalls zwischen Ober- und Regionalliga abzufinden und damit in der Konsequenz den schleichenden Tod des Vereins in Kauf zu nehmen.

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